Fluktuationskosten und Mitarbeiterfluktuation senken

Die Loyalität von Mitarbeitenden nimmt seit Jahren immer weiter ab. Gleichzeitig flexibilisieren sich Karrierewege und Lebensläufe mit vielen Brüchen werden vielerorts als Stärke gesehen. Austritte werden also wahrscheinlicher und gleichzeitig risikoreicher für Unternehmen. Hochqualifizierte Talente gehen verloren und das Recruiting nimmt viele Ressourcen in Anspruch.

1. Mitarbeiterfluktuation: Die unterschätzte Gefahr

  • Weit mehr als nur Personalverlust: Fluktuation bedeutet nicht nur den Wegfall einer Arbeitskraft, sondern zieht tiefgreifende versteckte Kosten nach sich.
  • Existenzbedrohung für KMU: Besonders kleine und mittlere Unternehmen leiden unter dem plötzlichen Abgang von Schlüsselpersonen (z. B. im Vertrieb), da dies Kundenbeziehungen und operative Stabilität direkt gefährdet.
  • Indirekte Folgen: Neben den direkten Recruiting-Kosten belasten Know-how-Verlust, lange Einarbeitungszeiten und die Verunsicherung des verbleibenden Teams die Produktivität.
  • Wirtschaftlicher Zusammenhang: Studien belegen, dass eine niedrige Fluktuationsrate direkt mit höherem Unternehmenswachstum und einem besseren ROI korreliert.

2. Die enormen Kosten eines personellen Wechsels

  • Fachkräfte: Ein Unternehmen verliert durchschnittlich 43.500 €, wenn eine Fachkraft das Unternehmen verlässt.
  • Führungskräfte: Bei einer Führungskraft steigen die Kosten für den Weggang auf knapp 100.000 €.
  • Zusammensetzung: Diese Summen ergeben sich aus der Suche, Auswahl, administrativen Prozessen, Einarbeitung und dem zeitweisen Produktivitätsverlust.

3. Prävention: Drei zentrale Stellschrauben

Um Fluktuation zu verhindern, müssen Unternehmen proaktiv handeln, bevor Kündigungen ausgesprochen werden. Die wichtigsten Hebel sind:

  1. Arbeitsumgebung: Schaffung eines attraktiven und wertschätzenden Umfelds.
  2. Entwicklung: Investition in die berufliche und persönliche Entfaltung der Mitarbeitenden.
  3. Vertrauen: Förderung einer transparenten Kommunikation und eines starken Commitments.
  • Benefits als Multiplikator: Mitarbeiter-Benefits sind eine niedrigschwellige Maßnahme, die alle drei Stellschrauben gleichzeitig bedient und die Bindung stärkt.

4. Kosten-Nutzen-Analyse: Einsparungspotenzial durch Benefits

Am Beispiel eines Unternehmens mit 100 Mitarbeitenden (davon 10 Führungskräfte) und einer Fluktuation von 16 % verdeutlicht die Rechnung den finanziellen Vorteil:

  • Status Quo: Ohne Benefits belaufen sich die jährlichen Fluktuationskosten auf ca. 781.600 €.
  • Effekt durch Benefits: Eine Reduktion der Fluktuation um nur 10 % (auf eine Rate von 14,4 %) senkt die jährlichen Kosten auf ca. 703.440 €.
  • Das Ergebnis: Das Unternehmen spart allein durch diese geringfügige Verbesserung rund 78.160 € pro Jahr.
  • Langfristiger Erfolg: Über einen Zeitraum von 5 Jahren summiert sich die Ersparnis auf knapp 391.000 €.

5. Strategische Vorteile über die Kostenersparnis hinaus

  • Produktivität: Zufriedene und emotional gebundene Mitarbeitende leisten nachweislich mehr.
  • Unternehmenskultur: Ein positives Umfeld fördert die Kreativität und Innovationskraft, was die Wettbewerbsfähigkeit langfristig sichert.
  • Steuervorteile: Im Vergleich zu reinen Gehaltserhöhungen bieten Benefits oft einen höheren psychologischen Wert bei gleichzeitig optimierter steuerlicher Belastung.

Fazit

Präventive Mitarbeiterbindung durch ein intelligentes Benefit-System ist keine bloße Sozialleistung, sondern eine betriebswirtschaftliche Notwendigkeit. Sie schützt das wertvolle Know-how im Unternehmen und spart bereits bei moderaten Verbesserungen der Fluktuationsrate sechsstellige Beträge.

von Leonard Gohlke

01. August 2024 | 7 min